Zwei Wochen in Pwllheli

Zwei Wochen in Pwllheli - ein nervenaufreibender Krantermin, ein Pub direkt am Strand, ein Gewitter auf dem Fahrrad, ein Burger, der uns durch die Lappen ging, und walisischer Früchtekuchen mit Freunden. Kein schlechter Start in den Frühsommer.
Nach unserer Nachtfahrt über die Irische See waren wir in Pwllheli angekommen. Bis zu unserem Krantermin am Dienstag blieb uns eine Woche Zeit, die Gegend zu erkunden. Die Hitzewelle hielt an, also waren die Fahrräder fast täglich im Einsatz.
Die Llyn-Halbinsel mit dem Fahrrad
Unser erstes Ziel war Porthdinllaen. Rob kannte den Ort bereits vom vergangenen Jahr und wollte unbedingt noch einmal hin. Andrea hatte die kleine Bucht bisher nur vom Wasser aus gesehen, als wir dort vor Anker lagen.
Also packten wir die Fahrräder und machten einen Tagesausflug daraus. Über den Golfplatz ging es hinaus auf die Landzunge bis zum Aussichtsturm der National Coastwatch Institution. Dort kamen wir mit den freiwilligen Wachleuten ins Gespräch und erfuhren jede Menge Spannendes über die Küste und ihre Arbeit. Beeindruckend, wie viel hier ehrenamtlich geleistet wird.
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Am Strand vor dem "Ty Coch Inn" war kaum noch ein freier Platz zu finden. Schulferien und Hitzewelle sind eben eine unschlagbare Kombination. Schade nur, dass das sonst türkisfarbene Wasser wegen einer Algenblüte eher bräunlich aussah. Das Pub machte das aber mehr als wett - einer dieser Orte, an denen man sofort länger bleiben möchte.
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Auf dem Rückweg holte uns das Wetter ein. Ein Gewitter zog auf, während wir noch unterwegs waren. Wir flüchteten uns mit einem Kaffee in den Shop einer Tankstelle und hofften, den schlimmsten Regen aussitzen zu können. Vergeblich. Am Ende kamen wir trotzdem klatschnass wieder am Boot an.

Ein paar Tage später ging es mit den E-Bikes im Zug nach Porthmadog. Die Bahnstrecke führt entlang der Südküste der Llyn-Halbinsel und passiert unter anderem Criccieth - ein wirklich hübscher Ort mit einer Burg.
In Porthmadog schauten wir uns den historischen Bahnhof der Schmalspurbahn an. Die liebevoll restaurierten Dampflokomotiven waren in einem beeindruckenden Zustand. Eine Fahrt in die Berge von Snowdonia hätte uns sehr gereizt. Aber unser Reisebudget muss schließlich noch einige Monate reichen.
Also schwangen wir uns stattdessen wieder auf die Fahrräder und folgten der Küste über Borth-y-Gest bis nach Black Rock Sands. Ein endlos langer Sandstrand mit den Bergen im Hintergrund. Manchmal gibt es einfach nichts zu sagen - man bleibt stehen und genießt.
Rob hatte sich schon den ganzen Nachmittag auf einen Gourmet-Burger gefreut, den er unterwegs auf einer Speisekarte entdeckt hatte. Natürlich war das Restaurant ausgerechnet an diesem Tag komplett ausgebucht. Rob war entsprechend geknickt.
Zum Glück fanden wir stattdessen das kleine Restaurant "Yr Hen Fecws". Einer dieser glücklichen Zufälle, die sich im Nachhinein als die bessere Entscheidung herausstellen. Alles war hausgemacht, liebevoll angerichtet und hervorragend zubereitet. Dazu ein gemütliches Ambiente und herzlicher Service. Im Nachhinein waren wir fast froh, den Burger verpasst zu haben.

Auf dem Rückweg radelten wir über den Cob, den Damm zwischen Meer und Mündung, während die Berge im letzten Abendlicht leuchteten. Anschließend ging es samt Fahrrädern mit dem Zug zurück nach Pwllheli.
Deshalb waren wir eigentlich hier
Der eigentliche Grund für unseren Aufenthalt in Pwllheli war allerdings gar nicht die schöne Küste oder die Fahrradtouren - sondern ein Krantermin.
Bereits im vergangenen Jahr hatten wir hier unser komplettes Rigg erneuern lassen. Deshalb wussten wir, dass die Marina einen Travelift besitzt.
Im Gegensatz zur Isle of Man, wo jeder Krantermin ein halber Staatsakt war, läuft hier alles erstaunlich unkompliziert. Genau deshalb waren wir zurückgekommen.
Am Montag regnete es noch in Strömen. Umso glücklicher waren wir, dass unser Termin erst auf Dienstag fiel.
Trotzdem wurden wir langsam nervös.
Fast zwei Jahre war Lagertha nicht mehr aus dem Wasser gewesen. Zwei Jahre Nordatlantik, Irische See und Isle of Man. Was sich wohl unter der Wasserlinie angesammelt hatte? Muscheln? Bewuchs? Oder vielleicht doch mehr, als uns lieb war?
Als der Travelift anrollte, wurde es plötzlich ernst.
Langsam hob er Lagertha aus dem Wasser und innerhalb weniger Minuten schwebten mehr als zehn Tonnen Boot über dem Werftgelände.
Plötzlich konnten wir den Teil unseres Bootes sehen, der normalerweise unter Wasser verborgen bleibt. Der Rumpf wurde abgespritzt, die Opferanoden ersetzt, der Faltpropeller gereinigt und neu gefettet. Lediglich ein paar Stellen am Kiel bekamen etwas frisches Antifouling. Viel mehr gab es tatsächlich nicht zu tun.
Besonders angenehm war, dass uns niemand drängte. Wir konnten alles in Ruhe erledigen und erst als wir zufrieden waren, ging es wieder zurück ins Wasser.
Keine zwei Stunden später lag Lagertha wieder an ihrem Liegeplatz - geschniegelt, überprüft und bereit für die nächsten Etappen. Wir gönnten uns erst einmal einen Kaffee in der Sonne. Selten hat sich ein Krantermin so stressfrei angefühlt.
Strandspaziergänge und Bootsalltag
Zwischen den Bootsarbeiten stellte sich schnell ein angenehmer Rhythmus ein. Morgens arbeiteten wir am Boot oder schrieben am Blog, nachmittags zog es uns fast immer an den Strand. Wäsche waschen, einkaufen, ein Spaziergang nach Abererch Sands oder barfuß durch das flache Wasser am South Beach - plötzlich vergingen die Tage erstaunlich schnell.
Eigentlich waren wir nach Pwllheli gekommen, um möglichst viel zu erledigen. Aber der Frühsommer machte uns einen Strich durch die Rechnung. Bei Sonnenschein, warmen Temperaturen und kilometerlangen Sandstränden fiel es schwer, den ganzen Tag an der To-do-Liste zu arbeiten. Irgendetwas zog uns immer wieder nach draußen.
Sonntagskaffee und Woody
Eines Sonntags kam unsere Freundin Claire vorbei, um sich Lagertha anzusehen. Mit dabei waren Shell und ihr Hund Woody.
Für Woody war es der erste Besuch auf einem Steg und auf einem Boot. Anfangs war er noch etwas skeptisch, doch schon nach wenigen Minuten hatte er sich eingerichtet und schlief gemütlich auf unserem Sofa, während wir bei Tee und Kuchen plauderten.
Claire brachte uns Bara Brith mit - einen traditionellen walisischen Früchtekuchen, der mit etwas Butter einfach großartig schmeckt.
Sie hatte uns außerdem ein Glas Honig aus Snowdon mitgebracht. Natürlich bekam das Glas sofort einen sicheren Platz im Proviantschrank. Irgendwo in Spanien wollen wir es zu einem besonderen Frühstück öffnen.
Weiter Richtung Süden
Nach fast zwei Wochen waren wir bereit für die Weiterreise. Das Boot war vorbereitet, wir hatten uns in Pwllheli richtig wohlgefühlt - aber langsam zog es uns wieder aufs Wasser.
Nur das Wetter spielte nicht mit. Der Wind kam fast ausschließlich aus Süden und war häufig zu stark für die nächste Etappe. Also nutzten wir die Zeit sinnvoll und ließen noch einen empfohlenen Rigg-Check durchführen.
Nach der kompletten Riggerneuerung im vergangenen Jahr war das diesmal nur eine Kontrolle. An Elektrik oder Innenausbau arbeiten wir gerne selbst, beim Rigg verlassen wir uns lieber auf Fachleute. Für die langen Etappen Richtung Süden wollten wir einfach das gute Gefühl haben, dass alles in Ordnung ist.
So vergingen die zwei Wochen fast unbemerkt. Genug Zeit, um Lagertha für die nächsten Etappen fit zu machen, eine angenehme Routine zu entwickeln - und gerade lang genug, damit die Sehnsucht nach der nächsten Etappe wieder größer wurde. Pwllheli hatte uns mal wieder länger festgehalten als geplant.
Also verstauten wir Claires Glas Honig sicher an Bord, lösten die Leinen und richteten den Bug erneut nach Süden.

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