Probefahrt

Sechs Wochen Schleifen, Epoxidharz, Motorarbeiten und alle möglichen Erledigungen - und dann, eines Morgens, ist es endlich soweit: Die Brücke im Hafen geht hoch, wir gleiten durch und die Segel werden gesetzt. Eine Probefahrt von Peel nach Port Erin, ein Handtuch auf einer Ankerboje und der Abend, an dem wir beschlossen, die Irische See zu überqueren.
Als die Brücke im Hafen von Peel aufschwang, fiel eine Last von uns ab. Sechs Wochen Arbeit lagen hinter uns - und zum ersten Mal fühlte sich die Reise nicht mehr wie ein Plan an, sondern wie Realität. Der Hafenmeister war vermutlich genauso erleichtert wie wir. Für die TT-Besucher wurde jeder freie Liegeplatz gebraucht, und wir versprachen ihm, bei erfolgreicher Probefahrt erst einmal nicht zurückzukommen.

Unsere Freunde Falk und Valentin waren mit an Bord. Genug Wind für ein paar ordentliche Wenden, Sonnenschein auf dem Wasser! Nach Wochen voller Staub, Werkzeug und To-do-Listen fühlte sich das Setzen der Segel fast unwirklich an. Zum ersten Mal konnten wir einfach segeln, statt zu reparieren.
Am halben Weg entlang der Küste tauchte Skyfall mit ihren schwarzen Renn-Segeln auf. Ben und Steve nahmen am "Around the Island Race" teil, einer Regatta rund um die Isle of Man. Auf demselben Küstenabschnitt kreuzten sie hart am Wind in Richtung Calf of Man. Volle Besegelung, blaues Wasser, Sonnenschein - und da waren sie, nah genug, um sich zuzurufen. Solche Momente plant man nicht.
Ein Handtuch auf der Ankerboje
Unsere Nachbarn im Hafen in Peel sind Jason und Debbie auf der Eauvation II - sie waren bereits am Tag zuvor nach Port Erin aufgebrochen. Die Bucht von Port Erin hat drei Ankerbojen - entsprechend begehrt sind sie an sonnigen Wochenenden. Beim Ablegen haben wir mit den Beiden gewitzelt, dass sie ein Handtuch an den Bojen anbringen sollten, um sie zu reservieren. Genau wie es deutsche Urlauber üblicherweise machen.
Als wir am späten Nachmittag in der belebten Bucht von Port Erin ankamen, war doch da wirklich eine freie Ankerboje direkt neben der Eauvation II. Natürlich nahmen wir sofort Kurs auf die freie Boje. Kurz bevor wir festmachen wollten, rief Jason über die Reling: "Ich glaube, die ist schon belegt - da hängt ein Handtuch drauf."
Und tatsächlich. Mitten auf der Boje lag ein Handtuch. Fein säuberlich drapiert. Wir lachten so sehr über den Anblick, dass wir völlig vergaßen, ein Foto zu machen.
Sundowner
Kaum festgemacht, ließen wir das Beiboot ins Wasser und holten Helena vom Pier ab. Mit kalten Getränken und ein paar Snacks stießen wir auf die gelungene Probefahrt an. Ein letzter Trip an Land, um unsere drei Gäste abzusetzen, bevor wir den Tag langsam ausklingen ließen. Probefahrt erfolgreich abgeschlossen - wir waren erleichtert. Müde und glücklich zugleich genossen wir den wunderschönen Sonnenuntergang, der Bradda Head in verbranntes Orange tauchte.

Der Entschluss
Noch am selben Abend studierten wir Wetterkarten, Gezeiten und Windvorhersagen. Aus der lockeren Probefahrt wurde plötzlich Ernst. Die Bedingungen für die kommenden Tage sahen vielversprechend aus. Irgendwann sahen wir uns an und wussten beide, was wir dachten. Morgen würden wir die Irische See überqueren. Der angekündigte Wind war sanft, das Meer ruhig - wahrscheinlich würden wir mehr motorsegeln als segeln - hoffentlich unter einem Himmel voller Sterne. Perfekte Bedingungen, um uns ans Leben auf See zu gewöhnen.

Ein letzter Morgen auf der Isle of Man
Am nächsten Morgen trafen wir noch Franky, Andreas Vater, und Beth auf einen Kaffee und ein paar gute Tipps für unsere Auszeit. Der Strand von Port Erin war rappel voll - acht Boote ankerten in der Bucht, Stand-Up-Paddler und Kajakfahrer, Beachvolleyball. Ein Feiertagswochenende und die Schulferien fielen zusammen, die ganze Insel war draußen und genoss das schöne Wetter.
Beim Mittagessen gingen wir unsere nächste Segelstrecke durch und was wohl so danach kommen würde. Ein kurzer Einkauf, um uns mit Proviant zu versorgen, und dann genossen wir den warmen Nachmittag in T-Shirts und Shorts. Total ungewöhnlich - schließlich ist es uns auf der Isle of Man normalerweise immer zu kalt und zu windig um die Sommergarderobe auszupacken! Wir haben sogar mit dem Beiboot herumgespielt und mit einer langen Bürste die Wasserlinie von Lagertha gereinigt - es war einfach zu warm, um im Cockpit zu sitzen.
Abfahrt
Und dann war es soweit. Die Anker-Leinen wurden gelöst, ein Abschied von Falk und Valentin am Steg und von Debbie und Jason auf der Eauvation II. Die Isle of Man wurde langsam kleiner hinter uns. Wochen der Vorbereitung lagen zurück, und plötzlich war all das Schleifen, Schrauben und Planen vorbei. Jetzt gab es keine To-do-Listen mehr, keine Projekte und keine Ausreden. Das Abenteuer hatte begonnen.

Noch mehr Isle of Man?
Falls euch unsere Geschichten von der Insel gefallen, schaut euch unbedingt die Jugendbuchreihe Die Jungs vom Leuchtturm von Pippa McKenzie an. Die Abenteuer der vier Brüder spielen auf der Isle of Man und fangen vieles von dem ein, was wir an diesem besonderen Fleckchen Erde so lieben. Die Autorin lebt selbst auf der Insel und hat zahlreiche Eindrücke ihrer Wahlheimat in die Bücher einfließen lassen.
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