Isles of Scilly

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Isles of Scilly

Eine Mittsommer-Nacht auf See, Delfine im Bristolkanal, frischer Hummer an einem weißen Sandstrand, ein Limoncello Spritz in Old Grimsby und ein Wetterfenster, das uns bis nach Frankreich lockte. Drei Tage, die genau das waren, weshalb wir dieses Abenteuer überhaupt begonnen haben.

Leinen los

Kurz vor Mittag legten wir in Milford Haven ab. Dank Freeflow konnten wir die Marina diesmal ohne Schleuse verlassen. Kaum waren wir unterwegs, musste allerdings erst einmal ein großer Tanker vorbei, der von zwei Schleppern in den Hafen begleitet wurde.

Milford Haven oil and gas terminal - industrial pier with cranes against blue sky

Südlich von Milford Haven liegt außerdem ein militärisches Sperrgebiet mit Schießbetrieb. Unter der Woche muss man hier genau aufpassen. Zum Glück fiel unser Wetterfenster auf ein Wochenende, sodass wir uns darum keine Gedanken machen mussten.

Am Tag zuvor hatte allerdings noch eine andere Nachricht für Gesprächsstoff gesorgt: Ein russisches Kriegsschiff hatte im Ärmelkanal Warnschüsse auf eine Segelyacht abgegeben, die zu nahe gekommen war. Sofort meldeten sich Freunde mit dem Running Gag, russischen Kriegsschiffen lieber aus dem Weg zu gehen. Wir versicherten allen, dass wir nicht vorhatten, sich mit der russischen Marine anzulegen.

Eine Mittsommernacht auf See

Diesmal hatten wir den Luxus, auf Rückenwind warten zu können - eine der angenehmsten Arten, längere Strecken zu segeln. Mit ausgebaumter Genua glitten wir gemütlich Richtung Süden. Der Wind war zwar schwach und der Motor musste gelegentlich mithelfen, doch die Richtung stimmte und die See zeigte sich von ihrer freundlichen Seite.

Triskelion sail from deck - sail taut with Celtic logo, golden hour seaRob and Andrea on deck in life jackets, bright day on the Bristol Channel

Ein paar Stunden später meldete sich über Funk eine belgische Yacht, die wir noch aus Milford kannten. Sie war kurz nach uns ausgelaufen und wollte wissen, wie die Bedingungen weiter draußen waren. Außerdem fragten sie, ob wir Französisch sprechen.

Nun ja. Wir hatten beide einmal Französisch in der Schule. Das liegt allerdings schon eine ganze Weile zurück. Unser Funkgespräch fiel deshalb eher kurz aus - immerhin reichte es für ein freundliches Lachen auf beiden Seiten.

Glittering sea on the Bristol Channel - sun reflecting on choppy water

Kaum waren wir richtig auf See und dachten darüber nach, vielleicht ein Buch hervorzuholen, tauchten die ersten Delfine auf. Und sie blieben. Fast vierzig Minuten lang spielten sie am Bug, schossen durchs Wasser und sprangen immer wieder vor Lagertha aus den Wellen. Andrea hätte ihnen stundenlang zusehen können. Ehrlich gesagt hätten wir das beide gekonnt.

Unsere Wachen liefen wie immer im Drei-Stunden-Rhythmus. Nachts war es trotz Mittsommer überraschend kühl - ohne Thermowäsche ging nichts. Unser Kurs führte außerdem über vertraute Gewässer. Fast exakt dieselbe Route hatten wir schon genommen, als wir Lagertha vor einigen Jahren zur Isle of Man überführten. Manche Wege führen einen eben immer wieder zurück.

Andrea hatte die Sonnenuntergangswache. Langsam versank die Sonne als glühend roter Feuerball im spiegelglatten Meer. Kurz bevor sie vollständig verschwindet, soll manchmal ein kleiner grüner Blitz zu sehen sein. Wenn man Glück hat.

Midsummer sunset - sun touching the horizon, golden path on the waterAndrea in golden hour light, sail behind her, warm evening glow

Der Sonnenaufgang am nächsten Morgen stand dem in nichts nach. Eine Mittsommernacht auf See, fast ohne ein anderes Boot am Horizont.

Morning sunrise - dramatic dawn sky in gold, orange, pink and purpleSunrise over the ocean - sun on the horizon, warm orange skyRob and Andrea with coffees in the cockpit, warm and cosy

Land in Sicht

Die Scilly-Inseln liegen so flach im Wasser, dass man sie erst im letzten Moment erkennt.

Gegen späten Vormittag erreichten wir New Grimsby. Zur Feier der gelungenen Überfahrt überraschte Rob Andrea mit frischen Waffeln - nach einer Nacht auf See schmeckt so etwas gleich doppelt gut.

Waffles on arrival - Rob with strawberries, blueberries and coffee at New Grimsby

Schon bei unserem ersten Besuch im vergangenen Jahr hatten wir uns in die Scillies verliebt. Damals blieben allerdings nur wenige Tage, bevor wir wieder Kurs auf die Isle of Man nehmen mussten. Diesmal wollten wir alles etwas entspannter angehen.

St Martin's war damals unsere Lieblingsinsel, doch die Besucherbojen in New Grimsby geben einfach ein gutes Gefühl. Das Boot sicher festmachen, den Tag an Land genießen und sich keine Gedanken über den Anker machen - genau das macht Tresco so angenehm. Außerdem hatten wir uns vorgenommen, diesmal einige der Cafes und Restaurants auszuprobieren. Tresco wirkt gepflegt und fast ein wenig exklusiv, bleibt dabei aber herrlich entspannt. Auch das Bojensystem funktioniert unkompliziert: Ein Mitarbeiter kommt einfach mit dem Dinghy vorbei und kassiert die Liegegebühr direkt am Boot.

Old Grimsby coastal view - sandy cove, wildflowers, calm water

Weiße Strände und frischer Hummer

Noch am selben Nachmittag setzten wir mit dem Dinghy nach Bryher über. Weißer Sand. Türkisblaues Wasser. Warme Sommersonne. Man vergisst fast, dass man sich noch in England befindet.

Crab pot on the beach at Bryher - trap with float, sailboats anchored in the bay

Zum späten Nachmittagessen ging es zu Island Fish. Frischer Hummer, Kartoffelspalten und ein kaltes Getränk - genau das Richtige nach der Überfahrt. Das fanden allerdings auch einige freche Vögel, die unermüdlich versuchten, sich etwas von unseren Tellern zu stibitzen. Hartnäckig waren sie auf jeden Fall.

Fresh lobster at Island Fish, Bryher - lobster tail with wedges and white wineCheeky bird at Island Fish - small bird on the table trying to steal food

Danach spazierten wir gemütlich bis zur Hell's Bay. Freunde hatten uns ausdrücklich empfohlen, dort etwas trinken zu gehen. Sie hatten recht. Mit einem kühlen Getränk in der Hand, einer warmen Brise und Blick aufs Meer vergaßen wir beinahe, dass irgendwo draußen noch unser Boot auf uns wartete. Zum Sonnenuntergang schafften wir es dann doch zurück.

Rob at Hell's Bay stone labyrinth on Bryher, coastal landscapeRob and Andrea at Hell's Bay Hotel with drinks, sea view behind

Tresco und Old Grimsby

Am nächsten Morgen hielt uns kräftiger Wind zunächst an Bord. Unser kleiner Elektroaußenborder macht seinen Job zwar hervorragend, trotzdem kostet die Fahrt an Land bei viel Wind immer noch etwas Überwindung. Als der Wind schließlich nachließ, machten wir uns auf den Weg nach Tresco.

Die berühmten Abbey Gardens kannten wir bereits vom vergangenen Jahr. Rund um die Ruinen einer alten Benediktinerabtei wachsen hier Pflanzen aus aller Welt - ein subtropischer Garten mitten im Atlantik. Gleich daneben erzählt die Valhalla Collection mit ihren Galionsfiguren die Geschichte der vielen Schiffsunglücke rund um die Scilly-Inseln.

Stone ruins overgrown with wildflowers, chimney still standingSucculents growing on a stone wall - green and red rosettes in the sunOrange tabby cat sleeping on a stone wall in the sunshine

Diesmal zog es uns jedoch auf die andere Seite der Insel nach Old Grimsby. Und ehrlich gesagt gefiel es uns dort sogar noch besser. Auch hier gibt es Besucherbojen, traumhafte Sandstrände und den Blick auf St Helen's Pool. Wir hätten ohne Weiteres noch eine Woche bleiben können. Wäre da nicht unser Plan gewesen, weiter nach Süden zu segeln, hätten wir wahrscheinlich genau das getan.

Old Grimsby anchorage - sailboat at anchor, turquoise water, stone tower on the hillRob on the white sand beach at Old Grimsby, sailboats at anchorAndrea on the coastal path at Old Grimsby, sailboats in the bayRob and Andrea at Tresco with sailboats in the bay

Das Ruins Cafe

Den Abend verbrachten wir im Ruins Cafe. Andrea trinkt inzwischen nur noch selten Alkohol, doch beim St Ives Limoncello Spritz konnte selbst sie nicht widerstehen. Mit Blick aufs Wasser genossen wir den warmen Sommerabend.

Ruin Beach Cafe exterior - stone building with terracotta roof and gardenAndrea with a Limoncello Spritz at the Ruins Cafe, sea view behindDinner at the Ruin Beach Cafe - Rob with pizza and salad

Blick nach Süden

Wir hätten ohne Weiteres noch bleiben können. Die Scillies hatten uns alles geschenkt, was wir uns erhofft hatten: Delfine, Mittsommer-Sonnenuntergänge, weiße Strände, frischen Hummer und diese langen Sommerabende, an denen man die Zeit völlig vergisst.

Doch genau in diesem Moment öffnete sich das Wetterfenster. Und jenseits des Ärmelkanals wartete etwas völlig Neues auf uns. Frankreich. Eine neue Küste, eine andere Sprache und das nächste Abenteuer.

Sunset at Old Grimsby - sailboat silhouetted against golden sky

Manchmal gehört zu den schönsten Orten auch der richtige Moment, sie wieder zu verlassen.

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